Diverse Bauprojekte
Stuttgart, 15. Juli 2010 - Der EHV ist derzeit im wahrsten Sinne des Wortes an vielen „Baustellen“ aktiv. Landesweit gibt es zahlreiche Pläne für neue Ansiedlungsprojekte oder Erweiterungen von großflächigen Einzelhandelsobjekten, bei denen wir als Träger öffentlicher Belange auf die Vereinbarkeit der neuen Projekte mit vorhandenem Handel pochen. Wir stellen die wichtigsten vor:
Leonberg: Der geplante Stadtumbau Leonberg-Mitte auf dem ehemaligen Wüstenrot-Areal mit angrenzendem Post-/Telekom-Areal kann für die Stadt eine historische Chance sein: Allerdings muss dafür der „Brückenschlag“ zwischen Altstadt und dem Leo-Center realisiert werden und kein abgeschirmter Solitär entstehen. Der EHV hat deshalb mit Vertretern des Leonberger Handels eine Arbeitsgruppe Einzelhandel initiiert, die in einem Schreiben an die Stadtverwaltung sowohl Chancen als auch Risiken des Projekts aufzeigt. Gleichzeitig wurden wichtige Eckpunkte und Rahmenbedingungen des Handels formuliert. Den Charakter einer „Soll-Bruchstelle“ aus Sicht des Handels für dieses Projekt stellt die zeitnahe Umsetzung eines verbindenden Boulevards dar.
Ludwigsburg: Auf dem Tammerfeld bei Ludwigsburg wollte das ansässige Breuningerland um 8.500 qm erweitern. Der Gemeinderat hat das Vorhaben am 8. Juni mit 28 zu 11 Stimmen abgelehnt. OB Spec wies darauf hin, dass mit Blick auf geltendes Recht der Landesgesetzgebung zur Schwerpunktsetzung von zentrenrelevantem Sortiment in Innenstädten keinerlei Spielraum für eine Erweiterung bestehen. Wichtig aus EHV-Sicht ist es jetzt, mit der Wiederbelebung des MarstallCenters die Attraktivität der Ludwigsburger City zu stärken.
Böblingen: Am alten Busbahnhof in Böblingen hat das Unternehmen HKM aus Bergisch-Gladbach eine Fläche von 12.000 qm erworben, die Nutzfläche für ein dort geplantes Einkaufszentrum beträgt 25.000 qm. Die unmittelbare Nähe zum nebengelegenen Bahnhof verspricht eine optimale Frequenz. Der Gemeinderat hat dem Projekt zugestimmt und will kommendes Jahr die Infrastruktur auf den Weg bringen. Die Eröffnung ist für Ende 2013 geplant. Die Auswirkungen für den ansässigen Handel muss man noch sehr genau prüfen!
Villingen-Schwenningen: Für die Doppelstadt, die dieses Jahr die Landesgartenschau ausrichtet, hat das Büro für Stadt- und Regionalentwicklung Acocella ein neues Einzelhandelsgutachten vorgelegt. Danach sollte die Stadt in einem Zielkatalog zentrenrelevante Sortimente klar regeln, um einem Trading Down in der Innenstadt entgegenzuwirken. Während laut Gutachter ein Elektromarkt in Villingen-Schwenningen wünschenswert ist, würde ein großes Möbelhaus die Stadt weiter ausbluten lassen. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der geplanten Ansiedlung eines XXXL-Lutz-Marktes relevant, die jedoch von den Einzelhandelsverbänden Württemberg und Südbaden ebenso wie von der Händlerschaft vor Ort äußerst kritisch gesehen wird. Entsprechend lautet die Positionierung gegenüber der Stadverwaltung und dem Gemeinderat, der nach den Sommerferien darüber entscheiden wird.
Stuttgart:
Stuttgart 21: Um auf dem freien Areal Ecke Wolfram- und Heilbronner Straße ein Einkaufscenter entstehen zu lassen, hat die Deutsche Bahn eine Bauvoranfrage bei der Stadt Stuttgart beantragt, die bis Ende Oktober entschieden wird. Bei einer positiven Entscheidung besteht für das Areal für weitere drei Jahre Baurecht mit bestehenden Planvorgaben, und die Stadt Stuttgart muss die Bahn, so lange nicht gebaut wird, mit ca. 90 Mio. Euro p.a. entschädigen. Baubürgermeister Hahn (SPD) unterstrich kürzlich in einer Stuttgarter Zeitung die Forderung von EHV, Cityinitiative und weiteren Gegnern des Großprojekts: „Stuttgart braucht kein weiteres Handelsflagschiff!“ Die ECE verfolgt zusammen mit der Baufirma Strabag dennoch weiter den Investitionsplan von 500 Mio. Euro.
Quartier S: Zwischen Marien-, Sophien-, Tübinger- und Paulinenstraße soll das „Quartier S“ gebaut werden. Auf dem etwa 13.800 qm großen Grundstück sind Einzelhandel (24.500 qm), 100 Wohnungen und Büro- (7.000 qm) sowie Dienstleistungsflächen geplant. Durch die städtebauliche Umgestaltung soll die Marienstraße als Fortsetzung der Königstraße zum attraktiven Einkaufsboulevard werden. Fertigstellung des „konventionellen“ Centers soll Ende 2013 oder Anfang 2014 sein.
Da Vinci-Projekt: Am Marktplatz strebt Breuninger mit seinem Projekt „Da-Vinci-Quartier“ an, einen zusätzlichen Anziehungspunkt für hochwertige Sortimente in der City zu schaffen, der vorwiegend über die Schulstraße und den Marktplatz zu erreichen sein wird. Das Projekt, von Breuninger unter Einbeziehung der Landesregierung initiiert, soll unter Einbindung des Kaufhauses Breuninger am Marktplatz weitere ca. 9.000 qm allein für Einzelhandel und Gastronomie bereitstellen. Geplant ist ein Neubau-Komplex, der auch Raum für ein Luxushotel, Gastronomie und verschiedene Ministerien bietet. Ein realistischer Fertigstellungstermin aus heutiger Sicht ist Ende 2014 oder Anfang 2015.
Altes Messeareal Killesberg: An der Stresemannstraße am Killesberg will der Investor Franz Fürst im Herbst mit dem Bau eines Stadtteilzentrums und diverser Wohnungen beginnen. Auf dem ehemaligen Parkplatz vor der Roten Wand will er seine Modemeile verwirklichen und auch Nahversorger locken. Insgesamt investieren Fürst und die Stadt in den kommenden Jahren rund 300 Millionen Euro in die Neuordnung des etwa 20 Hektar großen Areals am Killesberg. Dazu zählt die Erweiterung des Killesbergparks um etwa zehn Hektar Grünfläche. Fürst plant für sein Mode-Orderzentrum 6000 qm, weitere 3000 qm sollen für Design, Möbel und Accessoires zur Verfügung stehen. Mitte 2012 soll alles fertig sein. Der EHV hat erhebliche Bedenken, dass es nicht bei einem Orderzentrum bleiben könnte.
FOC-Planungen:
Neben dem FOC, das die Stadt Sinsheim auf dem ehemaligen Messegelände der Stadt plant, sollen in den nächsten drei Jahren gleich drei Fabrikverkaufszentren jenseits, jedoch nahe der deutschen Grenze entstehen: Neben Roppenheim und Colmar im Elsaß laufen Planungen für ein FOC im Schweizer Wigoltingen. Das Markendorf Wertheim Village soll zudem um rund 6.000 qm erweitert werden. Weitere Infos dazu finden Sie im handelsjournal Juli (Seite 56), das EHV-Mitglieder Mitte Juli kostenlos per Post erhalten.


