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Zuversicht im Einzelhandel

Baden-Württembergs Einzelhändler ziehen für die erste Jahreshälfte 2011 eine überwiegend positive Bilanz und sind auch für den Rest des Jahres optimistisch gestimmt. Dies zeigt eine aktuelle Konjunkturumfrage des Handelsverbands.

 

„Die Kunden haben in den ersten sechs Monaten kräftig gekauft und den meisten Händlern ein leichtes Umsatzplus beschert“, sagte der Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, Horst Lenk, heute bei einem Pressegespräch in Stuttgart. 

Drei von vier befragten Händlern haben in einer aktuellen Trendumfrage des Verbands  im 1. Halbjahr 2011 gleichbleibende (25,9 Prozent; 2010: 25,5 %) oder steigende (48,2 Prozent; 2010: 41,8%) Umsätze gemeldet. Noch positiver sind die Erwartungen für die kommenden Monate: Fast 80 Prozent der Befragten erwarten stabile bzw. steigende Umsätze (78,5 Prozent; 2010: 72,6 %). „Die Zuversicht im Handel auf ein erfolgreiches Jahr 2011 ist im Jahresverlauf angewachsen. Die tatsächliche Umsatzentwicklung in den kommenden Monaten und insbesondere das Weihnachtsgeschäft hängt nun entscheidend davon ab, wie sehr die Kunden von dem aktuellen Einbruch der Aktienkurse und den anhaltenden Diskussionen um erneute Hilfen für die hochverschuldeten Euro-Länder verunsichert sind. Dies könnte dem Konsum einen Dämpfer geben, oder aber genau das Gegenteil auslösen: dass Geld wieder vermehrt in reale Werte wie Schmuck, Möbel oder persönliche Ausstattung investiert wird“, so Horst Lenk.

 

Als weitere Faktoren, die den anhaltenden Aufwärtstrend leicht trüben könnten, sieht der Handel notwendige Mehrausgaben bei den Kunden für Energie, Altersvorsorge und Gesundheit. Hinzu komme die aktuelle Preisentwicklung, die von den Energie- und Rohstoffpreisen getrieben wird. Positive Auswirkungen auf den Konsum haben hingegen die guten Arbeitsmarktdaten, deutlich höhere Lohnabschlüsse als in den vergangenen Jahren und die florierende Wirtschaft in Baden-Württemberg.

Zuversicht stützt sich auch auf gutes 1. Halbjahr

Für einen Einbruch beim Konsum sieht der Verbandspräsident deshalb vorerst keine konkreten Anzeichen: „Der Umsatzzuwachs im Land bis Ende Mai von 3,8 Prozent im klassischen Einzelhandel (Quelle: Stat. Landesamt) ist ein deutliches Zeichen, dass wieder gern und wertig gekauft wird.“ Letzteres zeige zum Beispiel die überdurchschnittlich gute Umsatzentwicklung im 1. Halbjahr* von Branchen wie den Juwelieren (+ 5 %), dem Möbel- und Einrichtungsbedarf (+ 5 %) oder auch der Mode- (+ 3%) und der Spielwarenbranche (+7 %), die deutlich im Plus lagen. „Die Investition in reale Werte – ein viel zitiertes Beispiel ist hier Gold in jeglicher Form - ist vielen Verbrauchern wichtiger und sicherer als Anlagen auf den oft spekulativen Finanzmärkten“, so Lenk.  Eine Art Sonderkonjunktur bescheren vielen Händlern in Südbaden zudem derzeit die Schweizer Kunden. Wegen des starken Schweizer Franken und damit wesentlich günstigeren Preisen in Baden-Württemberg kaufen sie verstärkt hier ein.

*Quelle: Branchenfachverbände des Handelsverbands Deutschland (HDE)

Handel gibt Grün-Rot bisher nur mäßige Noten

Der Grün-Roten Landesregierung stellen die Handelsunternehmen nach knapp 100 Tagen im Amt ein überwiegend unbefriedigendes Zeugnis aus: So zeigte die Umfrage, dass die meisten Unternehmer klare Aussagen der Landesregierung zu zwei zentralen Themen des Handels vermissen:

Erstens, dass der Mittelstand im Fokus der baden-württembergischen Wirtschaftspolitik steht. Zweitens fordert der Einzelhandel ein deutliches Bekenntnis der Landesregierung zur Stärkung der Innenstädte. „Ob Infrastruktur- oder Verkehrsprojekte, Städtebauförderung oder Gewerbesteuer – die City muss stets im Fokus stehen, sonst stellen die Händler ihre eigenen Investitionen in Frage. Wir brauchen langfristig Planungssicherheit!“, betonte Lenk, der selbst ein Modegeschäft im Herzen Pforzheims betreibt. Konstruktive Gespräche von Spitzenvertretern des Handelsverbands und der neuen Landesregierung hätten bereits stattgefunden. „Die Interessen des drittgrößten Wirtschaftszweigs müssen sich auch entsprechend in der Politik widerspiegeln“, fasste Lenk ein wesentliches Ergebnis der Händlerumfrage zusammen. 

Als Beispiel für die enorme Dimension von Veränderungen in den kommenden Jahren nannte der Verbandspräsident die Ausweitung der derzeitigen Handelsflächen in Baden-Württemberg um 1 Million Quadratmeter bis 2015. Er rief die Kommunen zu einem maßvolleren Umgang mit ihrer Planungshoheit auf und warnte davor, „größere gegen kleinere Handelsunternehmen auszuspielen“. Gerade der Mix sei für den Kunden spannend und wichtig – und für die Betriebe ein fairer Wettbewerb existenziell.

Prognose 2011: Umsatz, Mitarbeiterzahl und Ausbildungsplätze im Plus

Für das Gesamtjahr hofft der Handelsverband, der rund 10.000 Mitgliedsbetriebe und 80 Prozent des Handelsumsatzes im Land vertritt, auf eine stabile, wenn auch nicht herausragende Umsatzentwicklung. „Ein (nominales) Plus von 1-2 Prozent ist durchaus machbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, ist Horst Lenk überzeugt.

Noch deutlicher im Plus dürften in 2011 die Zahlen der Mitarbeiter und der Auszubildenden im baden-württembergischen Einzelhandel liegen: 18,1 Prozent der Unternehmen wollen laut der Befragung mehr Personal einstellen als 2010. Und auch bei den künftigen Fachkräften setzt die Branche auf den Nachwuchs aus dem eigenen Betrieb: Allein in den letzten fünf Jahren haben die Einzelhandelsunternehmen im Land die Zahl der Auszubildenden um 34 Prozent gesteigert, auf derzeit rund 18.000.

 Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage finden Sie hier.

 

 

 

 

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